20 Sep

Warum ich als linker Bürger Innsbrucks FÜR die Olympischen Winterspiele in Tirol bin

In einem Europa, welches mit sich selber hadert, die Menschenrechte nun doch ein zuschränken, oder doch progressiv nach vorne zu blicken und endlich zu erkennen, dass alle Menschen gleichwertig sind, ist es enorm wichtig Standpunkte zu formulieren und zu setzen. Wir müssen uns alle fragen, was wir in Olympischen Spielen sehen. Und wir müssen herunterbrechen, was sie wirklich für uns bedeuten.

Die Olympischen Spiele wurden auf Anregung von Coubertin Ende des 19. Jahrhudnerts wiederbelebt und sollten für folgende Ideologie stehen:

  • Internationale Verständigung und Überwindung nationaler Egoismen
  • Frieden – die “Jugend der Welt” solle sich bei sportlichen Wettkämpfen messen und nicht auf den Schlachtfeldern bekämpfen

Gerade heute im neutralen Österreich, welches sich zusehends in eine Richtung entwickelt, die sich gegen Humanismus und Vernunft stellt, wäre es ungemein wichtig die Bevölkerung zu (ver)einen und hinter den Olympischen Gedanken zu stellen. Leider passiert genau das Gegenteil. Die Ohnehin schon durch die “Flüchtlingskrise” entzweite Gesellschaft in Tirol hat nun eine weitere Schwarz-Weiß Entscheidung zu treffen.

Olympische Spiele symbolisieren, wie kaum andere Großereignisse, den Fortschritt eines Landes. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass es die Pflicht eines 1. Welt Landes ist, Spiele auszurichten. Der Ideologische Wert ist kaum mit Euro aufzuwiegen. Internationale Sportereignisse gehören zu den kulturell wichtigsten Leistungen eines Völkerbundes und jede Nation kann und soll hier ihren Beitrag leisten.

Sehen wir uns aber kurz die Gegenargumente von NOLYMPIA an:

  • Nein zu Kosten in Milliardenhöhe!
  • Nein zu Megabaustellen!
  • Nein zu steigenden Wohnkosten!
  • Nein zu Verkehrs- und Sicherheitschaos!
  • Nein zu IOC-Korruption!

Fangen wir bei den Kosten an: Laut Machbarkeitsstudie für Olympia 2026 belaufen sich die Kosten auf 1,175 Mrd. Euro. Weiters heißt es:

Diese können mit den ebenfalls konservativ geschätzten Einnahmen in der gleichen Höhe – ohne öffentliche Zuschüsse – gedeckt werden. Entsprechende Sicherheitsreserven sind bei den Ausgaben miteinberechnet.

Nun prangert die KPÖ an:

Bei den Gesamtkosten wurden der Bau des Olympiadorfes und die Sicherheitskosten ausgeklammert um billige Winterspiele zu suggerieren.

Leider wird hier nicht näher darauf eingegangen. [Update vom 30.09.] Sehe ich mir nun jedoch die Zahlen an, welche die Machbarkeitsstudie zeigt, sehe ich, dass zumindest die Sicherheitskosten gedeckt sein dürften. “300 Mio. EUR: Durchführung der Sportveranstaltungen inkl. Unterkunft, Verpflegung, Logistik, Sicherheit, Transport” Wie mir mitgeteilt wurde, sind die Kosten für die öffentliche Sicherheit mit ca. 500 Millionen Euro beziffert und nicht in der Machbarkeitsstudie berücksichtigt. StR Gruber äußerte das in einer der Informationsveranstaltungen zur Abstimmung. [Update Ende]
Zum Thema Bau des Olympiadorfes findet sich auf der Seite der Gegner ebenfalls nichts konkretes, während folgendes von den Befürwortern propagiert wird:

Die Entwicklung des Olympischen Dorfs greift auf ein bestehendes städtebauliches Projekt zurück.

und

  • Das Projekt basiert auf einer bestehenden Planung und steht im Einklang mit der langfristigen Stadtentwicklungspolitik.
  • Die Entwicklung des Standortes ist als Innenentwicklungsmaßnahme dem Nachhaltigkeitsgedanken verpflichtet. Die Umwidmung der Bahnfläche zu Wohnraum erfordert keine zusätzliche Flächenversiegelung.

Zwar auch nicht sehr konkret, aber ich bin sicher, man könnte Einsicht in dieses städtebauliche Projekt nehmen. Das heißt für mich: Ein Wohnbauprojekt ist ohnehin geplant und Olympia würde dies beschleunigen und subventionieren. Bei den derzeitigen Wohnungspreisen in Innsbruck ein sehr willkommenes Projekt, nicht? Da kommt aber auch schon das Gegenargument: a) Megabauprojekt und b) steigende Wohnkosten. Beide Argumente kann ich nicht nachvollziehen! Was ist an diesem großen Bauprojekt schlecht? Es schafft Arbeitsplätze, es schafft Wohnraum. Innsbruck ist ständig mit (Klein-) Baustellen zugepflastert. Eine große Baustelle hat den Vorteil, dass sie sich auf ein Gebiet konzentriert. Und das am Frachtenbahnhof – wo sowieso gebaut werden soll. Nun zum Thema Wohnkosten… Wohnkosten steigen nicht wegen Olympia – sie steigen, weil Innsbruck es versäumt hat den ach so tollen freien Markt bei den Wohnkosten zu regulieren. Wohnkosten steigen, weil die Stadt zu wenig Wohnungen besitzt und es zu viele kleine Vermieter gibt. Wohnkosten steigen, weil der Markt eben nicht dazu gedacht ist, Grundbedürfnisse zu regeln, sondern das der Staat bzw. die Stadt übernehmen muss. In den olympischen Dörfern (“Die Olympischen Dörfer für die Olympischen Winterspiele 1964 und die Olympischen Winterspiele 1976 wurden direkt nebeneinander errichtet und werden heute nicht mehr unterschieden.” siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Olympisches_Dorf_(Innsbruck)) in Innsbruck wohnen knapp 7000 Menschen. Wo würden diese wohl unterkommen, hätte man die Olympischen Dörfer nicht gebaut? Hätte sich Innsbruck in den 60er und 70er gesagt: Ach komm, lass uns mal einfach so 150+ Gebäude bauen? Wohl eher nicht. Da die Wohnungen am Frachtenbahnhof allerdings schon in Planung sind, kann ich dieses Argument wohl nicht verwenden. Dennoch bin ich der Ansicht, dass Olympia 2026 den Bau der Wohnungen begünstigt und beschleunigt.

Kommen wir zum Thema Transport und Sicherheit. Beides wird während der Olympischen Spiele vermehrt eine Rolle spielen. Beides ist jedoch jetzt schon in einem Zustand, der angepackt werden muss. Hier hoffe ich, dass die Spiele den Ausschlag geben, dass sich Innsbruck und Tirol als gesamtes mit öffentlichem Verkehr mehr und besser auseinander setzt. Die Problematik mit der Sicherheit sehe ich generell in der ersten Welt verwurzelt und hier werden die Spiele keine Besserung bringen und die Entwicklung in Tirol bezüglich Überwachung erheblich beschleunigen. Hier ist es auch wichtig wie wir uns als Gastgeber präsentieren. Sind wir eine offene Gesellschaft, die es zulässt, dass auch fremde Gedanken mit ein wirken? Oder bleiben wir das stolze, eigenwillige Bergvolk, das auch mal gern gegen Ausländer hetzt? Bauen wir auf Vertrauen gegenüber den eingeladenen Gästen, oder kontrollieren wir auch ihre Schuhe bei jedem Einlass? Bei der YOG 2008 war ich selber ein Volunteer und konnte hinter die Kulissen blicken. Hier hatte niemand Angst vor Terror oder Gewalt – wir wussten alle, dass die größte Gefahr betrunkene Studenten sind – ein “Klientel”, mit dem ich mich auch gut identifizieren kann. Warum sollte das 2026 anders sein? Wenn wir mit einer positiven Grundhaltung an das Sicherheitskonzept herangehen würden, wären die Spiele bereits gesichert. Ich weiß allerdings, dass das nicht passieren wird und Tirol wird zur militarisierten Zone werden. Das ist meiner Ansicht nach das größte Gegenargument gegen diese Olympischen Spiele. Ist das jedoch der Todesschlag für die Winterspiele? Nein. Ganz einfach deshalb, weil jedes Großereignis derzeit dieses Problem mit sich zieht. Auch hier sind nicht die Olympischen Spiele das Problem, sondern die Gesellschaft, die sich nur allzu einfach diktatorische Sicherheitsmechanismen aufzwingen lässt. Vielleicht müssen die Tirolerinnen und Tiroler auch mal sehen, was es wirklich heißt, total überwacht zu werden und nicht nur über andere schmunzeln, denen das passiert.

Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist zu Recht ein Sklave.

Zu guter Letzt das Argument der Korruption. Sehr wahr und ein Problem des Systems, nicht der Spiele an sich. Das IOC (das Komitee) ist auch dann korrupt, wenn wir die Spiele nicht abhalten. In diesem Fall können wir aber zumindest versuchen so viel Steuergelder wie möglich von den Spielen abzuschöpfen.

Ein Gegenargument, das ich zuerst bei der Liste Fritz gehört habe, war, dass es bereits 2 Volksabstimmungen zum Thema Olympische Winterspiele gab. Das ist wahr und zugegebener Maßen wusste ich das nicht. Deshalb habe ich mich mal informiert. Diese beiden Abstimmungen waren 1993 und 1997. Ich denke, das sagt schon genug aus. Nach 20 Jahren darf man die selbe Frage ruhig nochmal stellen – es haben sich doch wesentliche Fakten von damals zu heute geändert. Auch die KPÖ weißt darauf hin.

Sehen wir uns aber mal die gesetzliche Lage der Volksbefragung an. Die Volksbefragung ist Tirol-weit und somit laut KPÖ nicht rechtsverbindlich. Das ist auch richtig (“Im Gegensatz zu einer Volksabstimmung hat das Ergebnis nur empfehlenden Charakter.” siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Volksbefragung_(%C3%96sterreich)) und man findet auf olympia2026.at dazu auch folgenden Satz:

Das Land Tirol und die Stadt Innsbruck sehen sich an die Entscheidung der landesweiten Volksbefragung strikt gebunden.

Inwiefern sich die Politik an das Ergebnis der Volksbefragung hält, bleibt abzuwarten, mir ist aber keine Volksbefragung bekannt, welche die Bevölkerung übergangen hätte und ich bin im Glauben, dass dies auch hier nicht passieren wird. Ungerne liese ich mich eines Besseren belehren.

Die NGO “Mehr Demokratie” hat laut FM4 angekündigt die Befragung ohnehin anzufechten. §44 im Tiroler Landesgesetz für die Durchführung einer Wahl stellt klar fest, dass Suggestivfragen nicht Gegenstand einer Volksbefragung sein dürfen. Die Frage müsse “so kurz wie möglich” und “ohne wertende Zusätze” formuliert sein. Ich habe die WAhlkarte bereits und kann bestätigen, dass die Frage, welche gestellt wird, wohl nicht Gesetzeskonform ist:

Soll das Land Tirol ein selbstbewusstes Angebot für nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Olympische und Paralympische Winterspiele Innsbruck-Tirol 2026 legen?

Prinzipiell ist nicht vorgesehen, dass eine Volksbefragung angefochten werden kann, allerdings gibt es scheinbar ein Gerichtsurteil vom OGH, welches ebendies zugelassen hat. 200 Unterschriften bräuchte man dafür. Das will die NGO “Mehr Demokratie” auch erreichen. Diese fordern ebenso, dass bei einer neuerlichen Volksbefragung viel mehr Aufklärung von beiden Seiten gemacht werden müsse. Pros und Kontras seien klarer hervorzuheben und leichter nachzuvollziehen. Wenn die Volksbefragung nun wirklich angefochten wird, so hoffe ich, dass dies in jedem Fall getan wird, nicht nur in dem Fall, der “Mehr Demokratie” nicht gefällt. Eine Anfechtung kostet jedoch eine erneute Volksbefragung – viel Geld für eine nicht-verbindliche Abstimmung.

[Einschub vom 30.09]
Die Webseite der Initiative zur Anfechtung:
http://tirol.mehr-demokratie.at/de/hier-gehts-zur-unterstuetzungserklaerung-fuer-die-massen-vfgh-beschwerde-gegen-die-manipulative
[Einschub Ende]

Zusammenfassend stimme ich für die Bewerbung zu den Olympischen Winterspielen (das heißt nämlich noch nicht, dass wir sie auch austragen können), weil ich der Meinung bin, dass Olympische Spiele für ideologische Werte stehen, die wir in diesen Zeiten brauchen, wie Friede, Völkerverständigung und sportlichem Wettkampf. Und weil ich die Gegenargumente nicht den Olympischen Spielen zuschreiben kann, sondern diese Systembedingt (Wohnungsmarkt bzw. fehlende Marktregulierung; Tendenzen zum Überwachungsstaat; Steuerflucht und Korruption) sind. Die Olympischen Spiele sind ein Prestige-Projekt für die Bevölkerung eines der reichsten Länder der Welt. Als Nebeneffekt bringen sie Wohnungen und Arbeitsplätze.

Dass sich Politiker und Unternehmer daran bereichern ist ebenso ein Systemproblem – das würden diese Menschen bei jedem anderen Großprojekt machen – sollen wir deshalb gar keine Projekte mehr finanzieren? Sollen wir Sport und Kultur auf Eis legen, weil sich einige wenige daran bereichern könnten? Das ist Neid! Eine Eigenschaft, die ich bei jedem Menschen verachte.

31 Mai

Neues Theme für Hena’s Blog

Seit heute erstrahlt mein Blog in einem vergleichsweise minimalistischem Schwarz-Weiß-Rot-Orange  Schwarz-Hellgrau-Blau. Ich hoffe es gefällt 😉

Das alte Theme war mir dann doch etwas zu verspielt und es wurde auch vom Autor nicht mehr in der Form weiterentwickelt, die ich gerne gehabt hätte.

31 Dez

ASUS MeMO Pad 7 rooten

Das MeMO Pad 7, welches ich von meiner Familie dieses Jahr zu Weihnachten bekommen habe, ist nicht das erste Android gerät, welches ich rooten sollte. Allerdings bisher das “zickigste”. Screenshot_2014-12-31-00-41-55[1] Das liegt vor allem daran, dass ich nicht auf Anhieb die genaue Gerätebezeichnung herausfinden konnte und dass das MeMO Pad in einem Demo-Zustand war. Doch ich brauchte eine Weile, um das zu erkennen. Ich suchte in den Einstellungen erst nach der Modellnummer (K013) und dann nach meiner Android-Version (4.4.2). Bisher waren mir diese Informationen immer genug gewesen um eine funktionierende Anleitung oder ein Tool zum rooten zu finden. Auch diesmal schien es einfach. Ich entschied mich für “Root Genius” um vom PC aus zu rooten. Dazu musste ich natürlich das USB-Debugging und somit die Entwickler-Optionen einschalten (dies hatte ich bereits zuvor gemacht, um das ASUS eigene PC Link zu verwenden). Hier sei jedoch kurz erwähnt, dass man diese durch mehrmaliges Drücken auf die Build-Nummer in den Software-Informationen freischaltet und nicht, wie manchmal im Netz beschrieben, auf die Android-Version. Bei letzterem erscheint ein kleinen Google-Easteregg: Android 4.4 – Easter Egg der KitKat-Version. Root...Failed Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen mit Root Genius, welche nie eine Aussagekräftige Fehlermeldung beitrugen, entschied ich mich, doch direkt vom Pad aus zu rooten. Ich fand auch gleich die richtige App dafür: “towelroot“. Doch bis auf “Your device is not yet supported”, kam auch hier kein gerootetes MeMO Pad heraus.

Nun kam langsam Frust auf. Warum lies sich dieses Pad nicht rooten? Ich googelte weiter. Und siehe da, ich fand eine Geräte-Bezeichnung, die mir half: ME176C – ich hätte auch einfach auf die ASUS-Webseite gehen können, dort wäre die Bezeichnung auch gestanden… Und auch der nächste wichtige Hinweis: Auf meinem Tablett läuft nicht nur Kitkat, sondern Kitkat mit der Zen UI von ASUS, welche seit Version 7 der MeMO Pads nicht mehr nur auf den ZenFones läuft, sondern eben auch auf den MeMO-Pads! Das ist eigentlich kein Problem für Root-Programme, wie Root Genius oder towelroot, wenn da nicht der Zen UI Demo Mode wäre. Dieser kann, muss aber nicht, eingeschalten sein. Ist dieser Modus aktiv, kann das WiFi Modul nicht entladen werden, das ist jedoch ein notwendiger Schritt beim rooten, damit dieses als root wieder geladen werden kann.

Um dieses Dilemma zu umgehen gibt es den einfachen Weg und den noch einfacheren: Der einfache besteht im manuellen deaktivieren des Demo Modus, ASUS Zenfone Demo Mode Deactivation, und dem anschließenden rooten mit Root Genius – oder man verwendet einfach das Root-Tool für ein Zenfone von ASUS. Meine Wahl fiel auf RootZenFone 1.4.6.4r, welches das MeMO Pad 7 ME176C (K013) in der “supported models list” stehen hat: [Download] RootZenFone 1.4.6.4r APK

Endlich bin ich jetzt in der Lage auch die BusyBox zu installieren! Ein Schritt, der eigentlich zu jedem rooten dazu gehört. Was nutzt einem denn auch ein gerootes Linux, wenn keine der gewohnten Befehle/Programme installiert ist?!

31 Okt

Passwörter – Der schmale Grad zwischen Alltag und Sicherheit

Die 10.000 beliebtesten Passwörter knacken 98,1 Prozent aller Accounts! Heben Sie sich von der Masse ab und gehören Sie zu den 1,2 Prozent, welche nicht innerhalb von wenigen Sekunden “gehackt” werden können.

Heute behandeln wir ein Thema, welches sehr, sehr oft angesprochen wird: Die Sicherheit von Passwörtern. Leider fallen die meisten Abhandlungen darüber recht unpraktikabel aus. Mindestlängen von über 20 Zeichen, Verwendung aller bekannten und unbekannten Sonderzeichen, alles natürlich wild durcheinander gewürfelt. Dass man die meisten Passwörter täglich braucht und mit Ihnen arbeiten muss/soll bleibt da oft dahinter. Nichts desto trotz gibt es auch viele Blog-Einträge und Infoseiten, die Passwortsicherheit sehr gut aufbereiten.

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Warum wird denn generell ein Thema so aufgebauscht? Warum muss man sich über seine Passwörter Gedanken machen?

Im Prinzip schnell erklärt: Mit einem Passwort kann man sowohl das virtuelle, als auch das reale Gesicht eines anderen Menschen verwenden, um sich selber zu profilieren. Jemand hat Ihr Mail-Passwort? Er kann damit Mails in Ihrem Namen schreiben. Jemand hat Ihr Facebook-Passwort? Er kann damit ihren Beziehungsstatus ändern. Jemand hat ihr Windows Passwort? Er kann Ihren PC benutzen. Und so weiter.

Viele werden sich jetzt fragen: Warum sollte mir so etwas passieren? Warum sollte man meine Mails lesen wollen? Für Cyberkriminelle, Geheimdienste und Betrüger sind potentiell ALLE Daten wichtig. Aussortiert wird, wenn, dann erst später. Privatpersonen sind selten Ziel eines direkten Angriffes, allerdings eignen sich Privatpersonen perfekt um eine Grundlage für große Angriffe zu schaffen. Einzelnen Personen und Datensätze sind meist Mittel zum Zweck und gerade deshalb besonders gefährdet. Diese Daten werden ohne Rücksicht weiterverbreitet, verkauft, getauscht. Im Internet werden wir zu gesichtslosen Geiseln, um Firmen und Regierungen zu “erpressen”, oder vielmehr zu infiltrieren.

Die Theorie der Passwortsicherheit

Einfach gesagt sind Passwörter mit 8 Zeichen bestehend aus Buchstaben echt verdammt unsicher. Heutige Durchschnitts-PCs mit relativ modernen Grafikkarten (wegen der Schnelligkeit des RAM in Grafikkarten, werden diese gerne für Rechenintensive Prozesse verwendet) brauchen maximal 15 Stunden um alle möglichen Kombinationen aller Groß- und Kleinbuchstaben von 1 bis 8 Zeichen zu ermitteln. Aber muss ich mir jetzt ein Passwort mit 12 Zeichen und allen verfügbaren Sonderzeichen merken? (Würde maximal 19 Millionen Jahre dauern…) Nein! Nicht nur eines, sondern für jeden Login ein anderes!

Diese Anforderung ist einfach unmöglich umzusetzen. Ich kann mir nicht für jeden Dienst, welchen ich im Internet verwende ein eindeutiges Passwort merken, welche dann im Optimalfall nichts miteinander zu tun haben.

Alltagstaugliche Sicherheit

Unsere Empfehlung: Verwenden Sie ein Passwortverwaltungstool. Und zwar ein gutes, welches Ihre Passwörter auch verschlüsselt und Ihnen Passwörter generieren kann. Wohl das mitunter beste Passwortverwaltungstool ist KeePass. Hierbei handelt es sich um freie, quelloffene Software. Für den Endbenutzer heißt das vor allem: Gratis Software.

Mit dem Passwortverwaltungstool können Sie nun für jeden Ihrer Logins ein einzigartiges, sicheres Passwort generieren und müssen sich dieses nicht merken. KeePass beispielsweise kann Sie – mit den richtigen Einstellungen – per Knopfdruck mit Username und Passwort direkt z.B. auf Facebook anmelden. Sie müssen nicht mal das Passwort raus kopieren, geschweige denn abtippen.

Ein Passwort bleibt jedoch immer übrig: Das Masterpasswort für ihre Verwaltungssoftware. Doch auch hier kann man auf einfache Tricks zurückgreifen, um ein sicheres Passwort zu haben, ohne dass sie Stundenlang ihr Passwort auswendig lernen müssen:

  • Überlegen Sie sich einen Satz, welcher nichts mit Ihnen, Ihrer Familie oder Ihrem Haustier zu tun hat
  • Verstellen Sie diesen Satz grammatikalisch. Er soll aber noch leicht zu merken sein.
  • “Salzen” Sie den Satz mit Sonderzeichen und Zahlen und variiren Sie Groß- und Kleinschreibung
  • Kürzen Sie den Satz, so dass er für Sie noch logisch ist
  • Komprimieren Sie den Rest zu einer Zeichenkette

Ein Beispiel:
“Ich habe Grammatik bei Meister Yoda gelernt”
“Grammtik gelernt bei Yoda Meister ich habe” <<< Satzstellung
“Gr@mm@t1k g3l3rnt b31 ¥od@ M3st3r ich h@b3<<< 2 Sonderzeichen, 2 Zahlen
“Gr@Mm@T1k G3l3rNt B31 ¥Od@ M3sT3r iCH h@b3″ <<< Groß/Klein-Schreibung
“Gr@Mm B31 ¥Od@” <<< Kürzen
Gr@MmB31¥Od@” <<< 12 Stelliges Passwort mit Groß/Klein-Schreibung, Zahlen + Sonderzeichen

Mit diesem Passwort als Masterpasswort und einer guten Software habe Sie Sicherheit und Alltag unter einen Hut gebracht!

Weitere Tipps

  1. Verwenden Sie internationale Sonderzeichen für Passwörter, welche Sie ggf. auch im Ausland benutzen (müssen). D.H.: Keine “ö, ä, ü”, wenn Sie eine Amerikanische Tastatur verwenden müssen.
    Verwenden Sie nationale Sonderzeichen, wenn Sie das Passwort nur lokal bzw. bein Inländischen Diensten verwenden.
    Nicht jede Software und jede Webseite verstehen alle Sonderzeichen!
  2. KeePass kann durch ein Plugin ihre Passwortkontainer mit Twofish verschlüsseln
    Der Twofish-Algorithmus gilt als ungeknackt.
  3. Sie können Ihre Passwortverwaltungssoftware zusätzlich mit Truecrypt verschlüsseln

Linkliste: